Die Nachricht

 

Im gestrigen Gespräch mit der Psychologin war er doch noch ganz optimistisch.

 

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Ein Freitag im Dezember - Feierabend - ihm geht es gut, ein wenig unschlüssig ist er im Augenblick. Sollte er die erste Süd-Seen-Runde nach der langen Verletzungszeit schon wagen?
Nein - die Vernunft siegt. Er steigt aufs Fahrrad, freut sich auf einen geruhsamen Heimweg und ein ruhiges Wochenende.
Doch dann ist da nach wenigen Sekunden dieses unsagbare Gefühl, diese unsichtbare Hand, die seinen Unterarm umklammert und quetscht, das Kribbeln, welches immer stärker wird und ihn den Lenker nicht mehr halten lässt.
Sein linkes Auge erkennt die Menschen plötzlich nur schemenhaft, sein Gehirn kann die Details nicht verarbeiten, er begreift nicht, was er sieht.
Hört denn das nicht auf?
Als er nach der zweiten Attacke endlich in der Notaufnahme liegt, wird ihm klar, was geschehen ist...


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Er hatte großes Glück, das hat er in den letzten Wochen in den Kliniken erfahren dürfen. Aber ihm ist auch bewusst, dass für ihn die Welt nun eine ganz andere geworden ist.
Auch wenn er der Meinung ist, dass er bis zu diesem Freitag im Dezember ein sehr gutes Leben geführt hatte und er  sich keiner Fehler bewusst ist, die dieses Erlebnis verursacht haben könnten,  hat er sich vorgenommen, anders zu leben.
Das sollte doch möglich sein.


Und jetzt liest er diese Nachricht zum wiederholten Male auf dem Display und sein gestriger Optimismus lässt etwas nach.

 

Der Ruf ist deutlich.

Soll er wieder dorthin zurück?

Soll er wieder der Alte werden?

 

Er will es und will es nicht.

Was kann er tun?

 

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