Reif für die Insel

Sie ist einfach geschickt diese Methode. Das muss man neidlos anerkennen.
Das Entstehen einer Insel-Bücher-Sucht geschieht an diesem Ort in drei Phasen.

Zunächst darf sich der ahnungslose Insel-Buch-Sammler-Aspirant, er weiß ja noch gar nicht, dass oder ob er überhaupt einer werden wird oder möchte, durch die zeitweise sehr umfassenden 1-Euro-Kisten wühlen. Das sind wahre Fundgruben, die behutsam Gelüste auf mehr wecken. Und wie von Zauberhand werden diese Kisten immer wieder von Neuem gefüllt.
Dann stehen die ersten bunten Reihen der Insel-Bücher zu Hause im Regal - wunderbar anzusehen, eine wahre Augenweide, abgesehen vom Lese- und Blättergenuss, denn es sind zumTeil richtige kleine Schätze verborgen, die es zu entdecken gilt.
Der Grundstein ist gelegt.
Nur diese Lücken stören. Zuerst ganz wenig, dann allmählich immer mehr. Dort müsste man nachfüllen, da fehlt auch noch ein Exemplar...


Hat man diesen Punkt schließlich erreicht und ist gewillt, sich ein wenig mehr auf das Sammeln dieser schönen Buchreihe einzulassen, steht nun für die zweite Phase in einer stillen Ecke des Antiquariats ein großes Regal - wird selbstverständlich permanent nachgefüllt - bereit.
Zugegeben, diese zweite Phase hält nun etwas länger an, man kann eine Menge Zeit dort verbringen, vieles, was in der Suchliste steht, findet man schon hier - und mit etwas Glück entdeckt man sogar die eine oder andere seltenere  Nummer.
Ganz sacht gibt es auch vom Chef immer mal wieder den einen oder anderen dezenten Hinweis, der den Neuling durch das zunächst sehr geheimnisvolle Gewirr der zahllosen Varianten leitet.
Man spürt es nicht, es tut auch nicht weh - doch nun ist man ganz unmerklich dem Anfänger-Status entwachsen. Das Interesse nimmt zu, man will mehr wissen, auch Hintergründe zum Verlag, zur Buchreihe, zu den prägenden Menschen erfahren. Und zu Hause genügt die kleine Abteilung im normalen Bücherregal schon lange nicht mehr. Es  muss Platz geschaffen werden. Man könnte ja zum Beispiel eine Bibliothek aus dem Gästezimmer machen.


Phase drei ist nun die anspruchvollste für den werdenden Sammler.
Denn irgendwann heißt es Abschied nehmen vom heiß geliebten Sonderangebots-Regal, da geht nicht mehr viel.

Sicher kann man sich nun auch über alternative Quellen im Internet umschauen, um der wachsenden Sammlung Nachwuchs zu bescheren.
Jedoch - Achtung, Ansichtssache - den echten Genuss spürt man wohl nur, wenn man vor der übergroßen Regalwand im Antiquariat steht und sich da und dort einmal ein Büchlein entnimmt, drin blättert - dann auf den Preis schaut - und es seufzend, weil der spärliche Inhalt des Portemonnaies das im Augenblick nicht zulässt, zurück stellen muss.  Man benötigt eine Art Strategie, sich ganz ohne Sponsor und Kreditgeber die nächsten Wünsche erfüllen zu können.


Na ja - ich komme wieder. Ganz bestimmt - und dann...
Irgendwie bin ich schon wieder reif für die Insel - für die "Bücherinsel"...
Dort wird mir mit Sicherheit geholfen.

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