Ganz hinten in der Sächsischen Schweiz

Eigentlich sollte der "Radelnde Uhu" vom Radeln berichten. Doch aus mancherlei Gründen lässt es in diesem Jahr damit leider noch auf sich warten.

Damit jedoch die lange wortlose Flaute auf diesem Blog ein Ende findet, soll nun endlich ein kleiner Bericht über eine wunderschöne Wanderung folgen.

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Mit Begeisterung habe ich die Berichte z.B. von Joas Kotzsch, Jochen Kleinhenz und Eva Ullrich vom Candy B. Graveller gelesen. Eine tolle Sache ist das, querfeldein mit dem Rad auf allen möglichen und unmöglichen Wegen unterwegs zu sein und dabei noch irgendwo in der Pampa zu nächtigen - das riecht gewaltig nach ein wenig Abenteuer.

Die Langstrecke an sich hat sich ja wohl für mich erledigt - war ne schöne Zeit - aber diese Art von Unterwegs- und Draußensein verspricht einen ebenso großen Reiz und wäre vielleicht irgendwann doch mal noch machbar.

Nun ja - aber, wie gesagt, mit dem Radeln ist das in dieser Saison bislang noch nicht so richtig.
Also bleiben wir beim Fotografieren. Und auch da kann man draußen in der "Wildnis" gut unterwegs sein, sei es auch zu Fuß.

Langes Wochenende - Prognose - schönes Wetter, sonnig, warm - ideal.

Und was liegt da näher, als mal wieder zum Brocken zu fahren... Einen Tag mit viel Zeit fürs Fotografieren in Ruhe hinauf, den Sonnenuntergang anschauen, im Biwaksack nächtigen, um auch den Sternenhimmel und den Morgen zu genießen.
Das haben wir in ähnlicher Form in Vorbereitung auf PBP vor zwei Jahren auf unserer Harz-Reise auf dem Rennrad schon einmal gemacht.

Kurz entschlossen wurde nach Interessenten umgehorcht - aber zwei Tage vor dem Ivennt ist das doch eher aussichtslos, die Anderen hatten diese Tage schon verplant.

Und allein fehlt dann doch die Lust, denn ein Bierchen auf dem Berg im Abendsonnenschein schmeckt doch besser in Gesellschaft.

Blieb also der Plan B - Tagesfahrt in die Sächsische Schweiz. Mit Sachsenticket am Wochenende eine sehr erschwingliche und logistisch gut zu bewältigende Sache.

Nachteil - die besten Licht- und möglicherweise Nebelstimmungen in den frühen Morgenstunden bleiben unerreichbar, der erste Zug fährt erst 6.10 Uhr und ist 8.40 in Schöna an der böhmischen Grenze.

Auch hier muss also noch ein wenig an der Motivation gefeilt werden, dann eben am Abend zuvor schon aufzubrechen und irgendwo, wo es schön ist zu biwakieren. Aber - ein gutes Bierchen und ein Schwätzchen auf dem Gipfel im Abendsonnenschein...

Nun aber genug des ausschweifenden Geschwafels.
Kurz nach halb neun steige ich aus dem (diese Linienverbindung scheint recht neu zu sein) Nationalpark-Zug, der zwischen Dresden und Litomerice pendelt. Eine geniale Idee, die zudem offensichtlich auch gut bei den Leuten ankommt. Schnell mal nach Böhmen rüber - und das ohne Auto!!!

Für mich ist jedoch in Schöna heute Endstation. Auf dem Elberadweg geht es auf der deutschen Seite bis zum Grenzübergang. Drüben auf der anderen Elbseite in Hrensko ist noch Ruhe - die Schrumsbuden öffnen erst später.

Die Morgensonne zaubert wunderschöne Lichteffekte, der Himmel ist tiefblau und wolkenlos, still strömt die Elbe im grünen Tal dahin und der kleine Wasserfall am Schiebbach bietet erste Fotomotive.

Direkt an der Grenze geht es nun sehr steil an der verfallenen Gelobtbachmühle vorbei einen mit Sandsteinplatten ausgelegten Pfad bergauf. Bei nassem Wetter wäre das eine sehr rutschige Angelegenheit, aber heute...

Der Bach zur Seite verleitet immer wieder zum Fotografieren und genau das wollte ich ja auch heute - kein Kilometerfressen und x-faches-Gipfel-Besteigen, sondern Zeit und Ruhe, um die kleinen und großen Dinge am Wegesrand anzuschauen - und zu fotografieren.

Des Gelobtbachtal zählt noch ein wenig als "Gehimtipp", es ist mit Auto kaum zu erreichen, befindet sich weitab der Touristenzentren, die nächste Gaststätte ist ein Stück entfernt und wenn man diese Szenerie hier erleben möchte, dann muss man sich schon der Mühe unterziehen, das zu Fuß zu erwandern.

Positiver Aspekt, es ist sehr still hier, auf den nächsten Kilometern sind lediglich außer mir noch sechs Menschen unterwegs.

Der erste Höhepunkt dieses Tages ist, abgesehen vom idyllischen Elbtal, der Stauhweiher, der ursprünglich für einen gleichmäßigen Wasserzufluss zur Gelobtbachmühle sorgen sollte, unterhalb einer ca. 40 Meter hohen Sandsteinwand inklusive kleinem Wasserfall.

Eigentlich ist damit das Tagesziel, hier im Halbschatten im Wald und an den Felsen aufs Wasser zu schauen und die Stille zu inhalieren, schon erreicht.

Nach ausgiebiger Fotopause steige ich nun wieder aufwärts. Das Tal ist eng, schluchtartig, die Farne, die Sonnenflecken im Grün, der sich selbst überlassene Wald und der rauschende Bach, der auf glitschigen Steinen mehrmals gequert werden muss, erklären von selbst die Anziehungskraft, die dieses wildromantische Fleckchen Erde auf Maler wie z.B. Caspar David Friedrich oder Carl Gustav Carus hatten.

Etwas weiter oben weitet sich die Schlucht, weiter geht es nun in Richtung Schöna.

Nach einiger Zeit ist der Waldrand erreicht und dann, am Rande eines Rapsfeldes fällt Unsereinem angesichts des Panoramas nur noch ein ganz triviales "Mann, ist das schön hier" ein.

Ist das schön hier. Der Blick gleitet vom Zschirnstein, den Zirkelstein, der sich massig in der Nähe präsentiert, nach Osten, zum Großen Winterberg , die böhmische Sandsteinwelt am Prebischtor bis weit hinein in die Lausitz. Ruzova Hora - Rosenberg, Studenec - Kaltenberg, drüben der Jedlova, der Tannenberg... Blau staffeln sich die Bergkulissen in der Ferne.

Der Zirkelstein ist bald erreicht, der Aufstieg hinauf über eine perfekte Leiteranlage ist einfacher, als man sich das bei einem solchen Felsklotz vorstellt.

Und von oben kann man nun auch nach Nordwesten schauen, Laasenstein, Lilienstein, einzigartig in seiner Gestalt, die Waitzdorfer Höhe, die Schrammsteinkette...

Ganz allein ist man hier natürlich nicht doch im Vergleich zur Bastei oder den Schrammsteinen ist die Menschentraube hier noch sehr überschaubar.

WIeder abwärts, am Rand des Dörfchens Schöna entlang hin zur Kaiserkrone. Dort oben war ich noch nie. Zugegeben, der Blick ist nicht anders als vom Zirkelstein. Aber einmal muss nun doch auch dieser Gipfel endlich "abgearbeitet" werden. In einer knappen Viertelstunde hat man den ersten Felsen in 355 Metern Höhe über Treppen und Leitern erreicht. Und der Blick von hier hat dann doch noch seinen ganz eigenen Reiz. Auch die beiden anderen Aussichtspunkte in nördlicher Richtung lohnen auf Grund ihrer Aus- und Tiefblicke einen Abstecher.

Ein kleiner feiner Tafelberg.

Mittlerweile ist es recht heiß geworden, es ist Mittagszeit, ursprünglich war nun eine Fährüberfahrt nach Schmilka und entweder ein Aufstieg durch das Heringsloch zu den Hinteren Schrammsteinen oder zur Kipphornaussicht geplant.

Aber die rechte Lust dazu fehlt. Muss ja auch nicht wirklich sein. Zu viele Eindrücke sind viel schwerer zu verarbeiten, besser, man bekommt auf einem geruhsamen "Heimweg" nach Bad Schandau über die Wiesenhöhen noch ein wenig Gelegenheit, das bisher Erlebte setzen und in der Erinnerung verfestigen zu lassen.
Aussichtsreich geht es nun durch Schöna mit kleiner Rast an einem Fischteich zum Wolfsberg hinüber.
Reinhardtsdorf hat u.a. eine sehenswerte Kirche zu bieten, deren Geschichte bis 1200 zurückreichen soll.

Und der Wegweiser "Kleine Bastei" klingt spannend. Dank der tollen App OruxMaps und der Navifunktion auf meinem Schmartfon ist die schließlich auch zu finden. Die Wege, die auf der Karte zu sehen sind, gibt es zum Teil in der Realität nicht, zugewachsen, umgepflügt, Wiese oder Feld... Hier war schon lange niemand mehr. Und die "Kleine Bastei" ist leider tatsächlich keine Alternative zur großen Bastei. Viel schöner war da der Blick von der Wiese eben zum gegenüberliegenden Falkenstein und den Vorderen Schrammsteinen.

Der Weg nach Krippen ist dann nicht mehr weit, die Aussicht von der Carolahöhe über das Elbtal und Bad Schandau stellt einen guten Abschluss dieser Wanderung dar, ehe es auf dem Elberadweg am Fluss entlang zum Bahnhof von Bad Schandau geht - zurück ins Getümmel der Ausflügler, Radler und Wanderer.

Kaum zu glauben, dass es unweit von hier noch solch stille Gegenden gibt.

 

Fotos findet Ihr hier.